BRÜSSEL, BELGIEN / EuroWire / – Der chinesische Handelsminister Wang Wentao wird am Montag, den 29. Juni, zu Gesprächen mit dem EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič nach Brüssel reisen, wie die Europäische Kommission mitteilte. Das Treffen rückt die Handelsbeziehungen zwischen China und der EU wieder in den Mittelpunkt der wirtschaftspolitischen Agenda der EU. Es folgt auf die jüngsten Gespräche der EU-Staats- und Regierungschefs über Handelsungleichgewichte, Marktzugang und Instrumente zur Wahrung europäischer Wirtschaftsinteressen.

Die Europäische Kommission ist für die Handelspolitik der 27 Mitgliedstaaten zuständig. Die EU-Staats- und Regierungschefs forderten die Kommission vergangene Woche auf, Ergebnisse der Gespräche mit wichtigen Handelspartnern, darunter China, vorzulegen. Sie verlangten außerdem Handelsinstrumente, die die Interessen der EU schützen. Das Treffen in Brüssel bringt hochrangige Vertreter zweier der größten Handelsmächte der Welt zusammen.
Die Handelsdaten verleihen den Gesprächen zusätzliches Gewicht. Laut Eurostat exportierte die EU im Jahr 2025 Waren im Wert von 199,6 Milliarden Euro nach China. Im selben Jahr importierte sie Waren im Wert von 559,4 Milliarden Euro aus China. Daraus ergab sich ein Handelsbilanzdefizit von 359,8 Milliarden Euro. Die EU-Exporte nach China sanken gegenüber 2024 um 6,5 Prozent, während die Importe aus China um 6,4 Prozent stiegen.
Handelslücke prägt Gespräche
Chinas Warenüberschuss gegenüber der EU hat sich 2026 weiter vergrößert. Die Daten der ersten vier Monate zeigen einen weiteren Anstieg, da chinesische Unternehmen mehr in den EU-Markt exportierten und weniger von dort importierten. Die Zahlen beziehen sich ausschließlich auf den Warenhandel. Dienstleistungen, Investitionsströme und Unternehmensgewinne sind separate Bestandteile der umfassenderen Wirtschaftsbeziehungen.
Die wichtigsten Handelsgüter beider Seiten verdeutlichen das Ausmaß der industriellen Verflechtungen. Zu den EU-Exporten nach China im Jahr 2025 zählten Maschinen, elektrische Geräte, Fahrzeuge, medizinische Instrumente und Arzneimittel. Die EU-Importe aus China konzentrierten sich auf Elektromaschinen, mechanische Geräte, organische Chemikalien, Fahrzeuge, Möbel und Beleuchtungsprodukte. Diese Kategorien umfassen Konsumgüter, Vorprodukte für die Industrie sowie Produkte, die in europäischen Lieferketten Verwendung finden.
Lieferketten bleiben im Fokus
Šefčovič und Wang trafen sich im März in Peking zu Gesprächen über Handel und wirtschaftliche Sicherheit. Im Mittelpunkt der Gespräche standen Marktzugang, Handelsströme und Investitionsbedingungen. Das chinesische Handelsministerium bezeichnete den Austausch damals als offen und sachlich. Das neue Treffen in Brüssel hält den hochrangigen Handelskontakt aufrecht, während beide Seiten Streitigkeiten in verschiedenen Sektoren bearbeiten.
Die Europäische Kommission plant ein Gesetz, das EU- Unternehmen zur Diversifizierung ihrer Bezugsquellen für wichtige Rohstoffe verpflichten soll. Die EU setzt bereits handelspolitische Schutzmaßnahmen wie Antidumping- und Antisubventionszölle ein, sofern die EU-Vorschriften erfüllt sind. Kritische Mineralien stellen weiterhin ein Problem für die europäische Industrie dar. China hat im April 2025 Exportbeschränkungen für Seltene Erden eingeführt, die Unternehmen betreffen, die auf diese Rohstoffe angewiesen sind.
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