Bern, 2. Dezember 2025: Die Schweizer Stimmberechtigten haben am Wochenende in Volksabstimmungen zwei wichtige nationale Vorhaben mit überwältigender Mehrheit abgelehnt. Sowohl die Einführung eines obligatorischen Wehrdienstes für Frauen als auch eine neue Erbschaftssteuer, die vor allem die wohlhabendsten Bürger des Landes betreffen soll, wurden entschieden abgelehnt. Vorläufige Ergebnisse der Bundeskanzlei zeigen, dass fast 84 Prozent der Stimmberechtigten die Initiative zum „Bürgerdienst“ ablehnten. Diese hätte die Wehrpflicht auf alle Bürger der Schweiz unabhängig vom Geschlecht ausgeweitet. Auch in keinem der 26 Kantone konnte die Maßnahme eine Mehrheit erzielen. Dies bestätigt den breiten Widerstand gegen eine Änderung des seit Langem bestehenden Systems, das derzeit nur Männer zum Wehrdienst verpflichtet.

Nach geltendem Recht sind Schweizer Männer zum Militär- oder Zivildienst verpflichtet, Frauen können sich freiwillig engagieren. Die abgelehnte Initiative sah vor, dass Frauen gemeinsam mit Männern entweder Militärdienst leisten, im Katastrophenschutz tätig sein oder andere Formen des nationalen oder gemeinnützigen Dienstes übernehmen. Befürworter hatten die Maßnahme als Schritt hin zu mehr Gleichberechtigung und Bürgerbeteiligung dargestellt, doch der Plan stieß auf breite Kritik, da er Frauen, die bereits unbezahlte Haus- und Pflegearbeit leisten, möglicherweise zusätzlich belasten würde. Der Vorschlag warf zudem administrative und finanzielle Fragen auf, wie die Schweiz einen plötzlichen Anstieg der Dienstleistenden bewältigen würde.
Die bereits an ihre Grenzen stoßenden Militär- und Zivilschutzsektoren hätten erhebliche logistische Anpassungen vornehmen müssen, um jährlich Zehntausende neue Rekruten aufzunehmen. Die Regierung hatte sich in dieser Frage neutral verhalten und die Entscheidung im Rahmen des direkten demokratischen Systems des Landes vollständig den Wählern überlassen. In einer separaten Abstimmung lehnten 79 Prozent der Wähler eine Initiative zur Einführung einer 50-prozentigen Erbschafts- und Schenkungssteuer auf Vermögen über 50 Millionen Schweizer Franken (umgerechnet etwa 55 Millionen US-Dollar) ab. Die Einnahmen aus der geplanten Steuer sollten Klimaschutzprogramme und Projekte zur CO₂-Reduzierung im ganzen Land finanzieren.
Vorschlag zur Erbschaftssteuer stößt auf breite Ablehnung
Trotz zunehmender öffentlicher Diskussionen über die Vermögensungleichheit lehnte die Wählerschaft die Maßnahme entschieden ab und bestätigte damit den Ruf der Schweiz für fiskalische Zurückhaltung und stabile Steuerpolitik. Gegner der Erbschaftsteuer argumentierten, eine solche Maßnahme könne Familienunternehmen schaden, Investitionen hemmen und vermögende Privatpersonen zur Abwanderung in steuergünstigere Länder bewegen. Sie betonten den Wettbewerbsvorteil der Schweiz als Finanzplatz, der auf Stabilität, berechenbarer Regulierung und vergleichsweise moderaten Steuersätzen beruhe. Die Regierung hatte den Vorschlag nicht unterstützt, und große Wirtschaftsverbände hatten sich mit Blick auf mögliche wirtschaftliche Folgen dagegen ausgesprochen.
Das System der direkten Demokratie in der Schweiz ermöglicht es den Bürgern, mehrmals jährlich landesweit über Verfassungs- und Gesetzesänderungen abzustimmen. Die beiden Volksabstimmungen am Sonntag spiegeln die anhaltende Zurückhaltung der Wähler gegenüber weitreichenden Strukturreformen wider, die die wirtschaftliche oder gesellschaftliche Ordnung des Landes grundlegend verändern könnten. Beide Initiativen wurden von Bürgergruppen eingebracht und hätten neben der Zustimmung in einer Mehrheit der Kantone auch eine Mehrheit auf nationaler Ebene erfordert – beide Hürden wurden bei Weitem nicht erreicht. Mit diesen Ergebnissen behält die Schweiz ihr bestehendes Wehrpflichtmodell bei, in dem nur Männer zum Wehrdienst verpflichtet sind, während Frauen weiterhin freiwillig dienen.
Die wirtschaftlichen Auswirkungen führen zu Widerstand gegen neue Steuern.
Die Ablehnung der Erbschaftsteuer erhält die bestehende föderale Steuerstruktur, die im Vergleich zu benachbarten europäischen Staaten relativ niedrige Vermögens- und Kapitalsteuern vorsieht. Das eindeutige Ergebnis in beiden Fällen unterstreicht die Präferenz der Schweizer Wähler für schrittweise Veränderungen und ihr Festhalten an einem ausgewogenen Verhältnis zwischen staatsbürgerlicher Pflicht, wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit und individueller Wahlfreiheit. Die deutliche Ablehnung beider Steuerarten markiert eines der einseitigsten Referendumsergebnisse der jüngeren Schweizer Geschichte und verdeutlicht den anhaltenden Widerstand der Bevölkerung gegen umfassende politische Reformen ohne breiten Konsens.
Die Abstimmungen bekräftigen die Tradition pragmatischer Regierungsführung und das anhaltende Bekenntnis zur direkten Demokratie als Grundlage nationaler Entscheidungsfindung – ein System, das die politische Identität der Schweiz seit Langem prägt . Durch regelmäßige Volksabstimmungen üben die Bürgerinnen und Bürger weiterhin direkten Einfluss auf die nationale Politik aus, stärken das Vertrauen in die öffentlichen Institutionen und stellen sicher, dass wichtige Entscheidungen einen breiten Konsens und nicht Parteipolitik widerspiegeln. Dieser tief in der Schweizer Verfassung verankerte Prozess bleibt ein Eckpfeiler der Stabilität und der Bürgerbeteiligung in einer der beständigsten Demokratien der Welt. – Von der EuroWire -Redaktion
